Automatisierung: Risiken im Prozess
Buch schreiben: Was ist mein Ziel?
Ein Buch schreiben und veröffentlichen – für viele Menschen ist dies eine unverwirklichte Fantasie. Jeder, der es geschafft hat, weiß: Der Weg zum Ziel erfordert Arbeit und Durchhaltevermögen, doch die Mühe lohnt sich.
Im Internet finden sich zahlreiche Schreibtipps, wie man ein Buch plant. Jedoch gibt es eine weitere Frage, die Sie sich ganz zu Beginn stellen sollten: Warum schreiben Sie eigentlich? Was ist das wahre Ziel Ihres Schreibprojekts? Die Frage mag Ihnen theoretisch erscheinen. Vielleicht wollen Sie für den Moment in Ruhe „einfach nur schreiben“. Jedoch hat die Antwort entscheidende Auswirkungen darauf, wo Sie in einem oder in fünf Jahren mit Ihrem Projekt stehen werden.
Die folgenden Tipps zum Schreiben helfen Ihnen, Ihr Buch mit Ihrer Vision in Einklang zu bringen.
Buch schreiben zum Vergnügen: der Künstler
Dem reinen Künstler geht es vor allem um die Freude am Schreiben. Er genießt den Prozess und will sich durch seine Erzählung selbst verwirklichen. Vielleicht ist er von einer Idee besessen, die er in die Welt bringen möchte. Ihn fasziniert eine bestimmte Frage, ein Szenario oder ein Charakter. In jedem Fall gilt für ihn: Es geht nicht darum, was andere von ihm denken oder wie man ein Buch „professionell“ angeht. Der Weg ist das Ziel. Alles Übrige ist nachgeordnet.
Die meisten Autoren beginnen in dieser Kategorie. Für sie ist es das Wichtigste, Zeit zum Schreiben zu finden und ihre Kreativität auszuleben. Falls irgendwann der Tag kommt, an dem sie ihr fertiges Manuskript in den Händen halten, ist dies ein schöner Nebeneffekt. Der Abschluss des Projekts ist jedoch nicht der Zweck der Reise.
Auch die Frage, wie viele andere Menschen das Buch je lesen werden, ist zweitrangig. Verkaufspotenziale oder das Interesse von Verlagen werden als „nett“, aber nicht zentral angesehen. Insofern ist auch nicht entscheidend, ob das Buch bei einem großen Verlag oder im Selbstverlag (Selfpublisher) erscheint. Das Thema „Buch veröffentlichen“ ist klar nachgeordnet.
Der reine Künstler muss sich nicht beeilen. Sein Motto lautet: alles zu seiner Zeit. Kunst kommt vor Kommerz. Erkennen Sie sich in dieser Kategorie wieder? Dann schreiben Sie drauflos! Freuen Sie sich über das Privileg, das Schreiben einfach zu genießen.
Ziel Buch veröffentlichen: der Autor
Anderen Menschen ist es wichtig, dass ihr Werk nicht nur geschrieben, sondern auch fertig wird. Es genügt ihnen nicht, das Manuskript irgendwann in einer Schublade zu vergraben, zufrieden mit den schönen Stunden, die ihnen der Prozess bereitet hat. Sie wollen den Abschluss erleben und das Buch veröffentlichen. Sie möchten den fertigen Band in den Händen halten.
Damit verbunden ist ein zweiter Wunsch. Der Autor schreibt nicht nur für sich. Er will gelesen werden, sein Innerstes mit anderen teilen oder sie zumindest unterhalten. Mancher mag nun zu Recht anmerken: Gibt es nicht auch Autoren, die „nur“ ihr Buch in der Hand halten wollen? Denen es egal ist, ob es viele oder wenige Menschen lesen? Die Antwort lautet: Ja. Allerdings nur, wenn der Autor bereit ist, sein Projekt im Selbstverlag zu veröffentlichen.
Noch leben wir in einer Welt, in der Buchhandlungen so gut wie nie Selfpublisher in ihre Sortimente aufnehmen. Wer also davon träumt, sein Werk in einem Laden in der Fußgängerzone zu finden, ist auf den Verlagsweg angewiesen. Verlage wiederum interessieren sich nur für Bücher, die Umsatz versprechen.
Hier schließt sich der Kreis: Der Autor, der sein Werk im Laden um die Ecke finden will, muss sich früh Gedanken machen, wie er es so gestalten kann, dass sich ein Verlag dafür interessiert. Dies betrifft die Wahl des Genres, den Erzählstil und eine Sondierung des Marktes, um zu sehen, welche Art von Büchern das Publikum verlangt. Nur so wird er bei einem namhaften Verlag sein Buch veröffentlichen können.
Schreibtipp: Buchplanung vom Ende her
Dies bedeutet selbstverständlich nicht, dass Verlagsautoren keine Künstler sind. Im Gegenteil: Gerade die Arbeit mit einem Verlag kann die Qualität des Werkes steigern und näher an die Vision des Autors bringen, als er es je alleine könnte. Richtig ist jedoch: Der Autor, für den nicht nur der Weg das Ziel ist, muss seine Kreativität in einer Art hinterfragen und lenken, die dem „reinen“ Künstler erspart bleibt.
Er ist gezwungen, mehr vom Ende her zu denken: Bis wann will ich mein Werk fertigstellen, um nicht unterwegs die Motivation zu verlieren? Welche Planung muss ich hierfür wählen? Kann ich damit leben, wenn es für meinen klingonischen Gedichtband über Einhorn-Romanzen keinen Markt gibt, oder sollte ich meinen Ansatz anpassen?
Für diesen Schreibtyp gilt das Motto: Selbstverwirklichung ist wichtig, aber sie muss zugänglich für andere sein. Er kann weniger tun und lassen, was er will, sondern muss relevante Akteure wie Leser und Verlage im Blick behalten.
Finden Sie sich darin wieder? Wollen Sie Ihr Werk irgendwann im Buchregal sehen? Dann planen Sie die Art, wie Sie Ihr Buch schreiben, von Anfang an entsprechend. So sparen Sie sich für die Zukunft Enttäuschungen und Mühe.
Schreiben optimiert: der Produzent
Die meisten Erst-Autoren schreiben zum „reinen“ Vergnügen oder bemühen sich, ihr Werk auch für Leser ansprechend zu gestalten. Jedoch gibt es ebenso Autoren, für die Kunst und Kreativität nur Mittel zum Erfolg sind.
Der Produzent von Büchern steht am anderen Ende des Kunst-Kommerz-Spektrums. Ihn interessiert nur: Was verkauft sich? Wie kann ich es möglichst günstig produzieren? Auf welche Weise kann ich möglichst schnell mein Buch veröffentlichen? Wie jeder Geschäftsmann durchsucht er den Markt nach Nischen oder Boom-Sektoren, um dann maßgerecht für ein bestimmtes Publikum zu produzieren.
Oft entwickelt sich dieser Typ aus jemandem, der als „reiner“ Künstler angefangen und sich von dort „professionalisiert“ hat. Er hat eine lukrative Nische aufgetan, wie etwa einen Markt mit ewig hungrigen Lesern. Ein gutes Beispiel hierfür sind kurze Romantik-Romane. Die Rollen und Handlungen sind bekannt, aber der Markt ist riesig.
Der Produzent von Büchern ist somit das Gegenteil des reinen Künstlers. Er plant all seine Werke vom Ende her. Er benutzt Schemata, die „funktionieren“. Was keinen finanziellen Erfolg verspricht, geht er gar nicht erst an. All seine Prozesse sind darauf ausgerichtet, ein Buch möglichst schnell von der Idee zur Veröffentlichung zu bringen.
Als Folge davon geht er möglicherweise dazu über, seine Bücher nicht mehr selbst zu schreiben. Er setzt Ghostwriter ein oder gibt nur noch die Ideen vor, um eine erfolgreiche Serie von anderen weiterschreiben zu lassen. Das Motto ist: Der Markt regiert und das Vergnügen muss sich fügen.
Ist dies Ihr Ziel, wenn Sie Ihr Buch schreiben? Dann denken Sie wie der Gründer eines Unternehmens! Was ist Ihr Markt? Was sind die interessantesten Nischen? Zeit ist Geld. Optimieren Sie Ihre Prozesse dazu, Produkte möglichst passgenau und schnell zu produzieren.
Ihr Weg zum Buch Veröffentlichen
Sie wollen ein Buch schreiben oder sind bereits dabei? Dann fragen Sie sich früh, was das Ziel Ihrer Reise ist. Finden Sie den Schreibtyp, der zu Ihnen passt, und planen Sie entsprechend. Hoffentlich konnten Ihnen diese Schreibtipps dabei helfen. Persönliche Tipps gebe ich gerne auf einem meiner Vorträge.